Vereinsgeschichte
zusammengestellt und bearbeitet von Rolf Berger- Aus sicherer Quelle
- Die Konsequenz
- Anschluß an den SCN
- Der Sprung ans linke Weserufer
- Schwere Zeiten
- Unter neuem Stander bergauf
- Der 2. Weltkrieg
- Sommer 1945
- Es geht voran
- Das 5. Bootshaus
- Fünfzig Jahre OSV
- Ein weiterer Schicksalsschlag
- Ein Kraftakt
- Der Verein heute
Aus sicherer Quelle
Es war im Frühjahr 1911, als ein paar alte Wasserratten des Gesangsvereins "Lyra" in Hemelingen ihre Sehnsucht nach ihrem alten Element nicht länger mehr zügeln konnten und sich "stolze Segelyachten" kauften, natürlich keine Neubauten, sondern Yachten, die schon einige Jährchen ihrer Bestimmung gedient hatten. Gründungsmitglied Friedrich Schultz, zuerst Schriftführer später Vorsitzender des OSV berichtete, daß in Ermangelung besserer Liegeplätze im Hemelinger Hafen geankert werden mußte, und nicht ohne Schwierigkeiten war stets das Untersegelgehen, wie auch das Abtakeln nach beendigter Fahrt, mußte doch alles, das Segel, Riemen, etc. nach jeder Fahrt abgenommen und nach der Hafenwirtschaft von Dettmar Wintergeschleppt werden.
Die Konsequenz
Als im Herbst die Segelsaison zu Ende war, wußte man, wir gründen einen Segelverein, um der Sache ein festeres Gepräge zu geben. Die Herren der ersten Stunde waren am 4. November 1911
- Heinrich Arens
- Hermann Grote
- Eugen Lägeler
- Dietrich Meyer
- Rudolf Niemann
- Friedrich Schultz
Sie gründeten den Segelverein und tauften ihn "Oberweser Segel-Verein". In der ersten Versammlung am 27. November 1911 gab es schon 14 neue Mitglieder, und der erste Vorstand wurde gewählt. Es waren
- 1. Vorsitzender: Heinrich Arens
- 2. Vorsitzender: Rudolf Niemann
- Rechnungsführer: Anton Senft
- Schriftführer: Friedrich Schultz
- Bootswart: Louis Kütemeyer
Zu einem Segelverein gehören natürlich ein Bootshaus und Liegeplätze. Man fand ein geeignetes Grundstück zwischen der Rolandwerft (heute Hegemannwerft) und dem seit 1906 bestehenden Kraftwerk Hastedt, mit über 50m Wasserfront. Nach eigenen Plänen wurde mit vereinten Kräften ein kleines Bootshaus gebaut. Als Winterlager sollte ein alter Schuppen dienen, den man günstig gekauft hatte. Pünktlich zum Saisonbeginn, am 18. Mai 1912, konnte die erste Anlage eingeweiht werden.
Anschluß an den SCN
Inzwischen waren auch Angehörige des Segel-Club Niedersachsen Mitglieder im OSV geworden. Diese empfahlen lebhaft, sich dem SCN anzuschließen, der damals aus den drei Abteilungen Burg, Dunge und Werder bestand. In einer Versammlung wurde das einstimmig beschlossen und am 9. Januar 1912 bestätigte der SCN die Aufnahme des jungen OSV als Abteilung Oberweser. Der ursprüngliche OSV war also nur zwei Wintermonate selbständig. Die Abteilung wuchs sehr schnell.
Im Herbst 1912 gab es bereits einen Bestand von 64 Mitgliedern und 25 Fahrzeugen. In diesem Jahr wird die Abteilung Oberweser erstmals bei Regatten erwähnt. Am 9. Juni 1912 sind vier Boote zur Wettfahrt Vegesack-Brake-Vegesack gemeldet.
Schon nach zweijährigem Bestehen beschäftigte man sich mit dem Neubau eines Bootshauses. 10.000 Mk. mußten aufgebracht werden. Von der Gemeinde Hemelingen konnte weiteres Gelände gepachtet werden. Im Juni 1914 war es vollbracht. Mit großem Pomp und vielen Gästen aus nah und fern wurde die Einweihung gefeiert. Im Sommer 1914 war die Mitgliedschaft der Abteilung Oberweser auf bereits 120 Mitglieder und 55 Fahrzeugen angewachsen.
Der erste Weltkrieg unterbrach diese Entwicklung. Die Aktivitäten sanken auf ein Minimum.
Nach den Kriegsjahren erlebte der Sport einen ungeahnten Aufschwung. 1919 wuchs die Abteilung auf 193 Mitglieder und 81 Fahrzeugen. Zeitweise mußte ein Aufnahmestopp verhängt werden. Man hatte inzwischen auf dem linken Weserufer, oberhalb des Schleusenkanals, vom Bremer Senat weiteres Gelände gepachtet. 1921 gehörten nämlich zur Abteilung Oberweser schon 239 Mitglieder und 113 Boote.
Der Sprung ans linke Weserufer
1922 war die Wasseranlage inzwischen 40 m in die Weser "hineingewachsen". Das Wasserbauamt Verden begrenzte die Tiefe der Anlage auf 25m. Ein Teil der Boote mußte also zum Ufer des neuen Geländes auf der linken Weserseite verlegt werden. Man beschloß daher also noch einmal zu bauen. Hafen und Bootshaus sollten 50.000,- Mark kosten. Trotz scheinbar unüberwindlichen Schwierigkeiten wurde das Projekt 1925 mit Erfolg abgeschlossen.
Schwere Zeiten
Die Freude an der geschaffenen Anlage blieb nicht lange ungetrübt. Die Folge der 1930 einsetzenden Weltwirtschaftskrise war zunehmende Arbeitslosigkeit. Der Mitgliederbestand ging zurück, und so mußten immer weniger Mitglieder die Amortisationslasten tragen. Es folgte der bitterste Tag seit der Gründung: Am 27. Januar 1933 beschloß der Vorstand Konkurs anzumelden.
Die Abteilung Oberweser des Segel-Club Niedersachsen war damit Vergangenheit.
Unter neuem Stander bergauf
Bevor die Segelsaison begann wurde dann von der Mehrheit der alten Mitglieder der neue Oberweser-Segel-Verein gegründet und ging damit auf den 1911 gegründeten Stammverein zurück.
Der neue Stander zeigt – stilisiert – die Weser mit ihren Quellflüssen Werra und Fulda. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der folgenden Jahre stieg auch wieder die Mitgliederzahl. Der Zugang an neuen Mitgliedern, man hatte inzwischen auch zwei Jollen für die neu eingerichtete Jugendabteilung angeschafft, wurde so stark, daß man daran dachte den Hafen zu verlängern, als im Herbst der 2. Weltkrieg ausbrach.
Der 2. Weltkrieg
Diesmal ließ man sich nicht entmutigen. Es wurden 1941 sogar auf der Weser fünf Wettfahrten gesegelt mit insgesamt 379 Meldungen. Doch am 12. Oktober 1944, mittags 12 Uhr, wurde das Bootshaus mit allem Inventar nach einem Bombenangriff ein Raub der Flammen. Was an Fahrzeugen übrig geblieben war, wurde im Mai/Juni 1945 von den Angehörigen der Besatzung beschlagnahmt. Die Anlage glich einem Trümmerfeld. Der Wassersport wurde verboten und der Hafen lag wegen der zerstörten Wehranlage trocken.
Sommer 1945
Eine kleine Gemeinschaft hatte sich nach Kriegsende wieder zusammengefunden, und bis zum Jahresende 1945 waren etwa 60 Mitglieder wieder dabei, Pläne zu schmieden. Doch so einfach war das nicht. Durch Gesetz der Militärregierung waren alle Vereine aufgelöst und verboten worden. Nach entsprechender Lockerung erfolgte am 14. April 1946 die Neugründung des Vereins, unter altem Namen und Stander. Am 16. Mai 1946 wurde dem OSV auf Antrag bestätigt, daß er vorläufig wieder zugelassen, und der gewählte Vorstand genehmigt sei. Jetzt galt es eine Menge Arbeit zu bewältigen.
Es geht voran
Am Jahresende 1946 hatte der OSV einen Bestand von 62 Mitgliedern und etwa einem Dutzend Fahrzeugen; einige davon beschlagnahmt. Im Sommer 1947 kamen die Aufräumungsarbeiten gut voran. Aus den Trümmern des Bremer Westens durften ein paar tausend Steine geborgen werden. Daraus wurde ein kleines Bootshaus gemacht. Nachdem der zerstörte Wehrkörper durch einen Sanddamm ersetzt wurde, war der Wasserstand im Hafen normal und es durfte wieder gesegelt werden. Durch die Währungsreform im Sommer 1948 schwand das Bankguthaben des OSV, doch unterstützt durch Spenden, Initiativen und ungewöhnlichen Einsatz einzelner Mitglieder konnte bald das kleine Bootshaus (das 4. des OSV) und 1950 auch ein Winterlagerschuppen (Schuppen II) eingeweiht werden.
Das 5. Bootshaus
Stetig zunehmende Mitgliederzahlen sicherten in den nächsten Jahren die Weiterentwicklung. Die 1953 eingerichtete Jungmannen-Abteilung konnte bald in einem eigenen Piraten trainieren. Die Winterlagerfläche wurde durch einen zweiten Schuppen vergrößert; und endlich konnte im Dezember 1956 das langersehnte größere Bootshaus eingeweiht werden, unser heutiges. Der OSV war "komplett".
Fünfzig Jahre OSV
Im Dezember 1961 feierten 380 Gäste – Mitglieder und Freunde des Vereins - das Stiftungsfest im Parkhotel. Der OSV hatte im Jubiläumsjahr 277 Mitglieder mit 144 Booten. Die OSV-Flotte wuchs weiter, besonders der Bestand an Jollenkreuzer nahm zu. Die Boote wurden größer. Die Winterlagerfläche mußte abermals vergrößert werden, und so wurde 1965 der Bau von Schuppen IV beschlossen und ausgeführt. Die über viele Jahre unternommenen Versuche, die Ufer mit eigenem Einsatz zu befestigen, hatte nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Spundwände sollten die endgültige Lösung bringen. Kosten 115.000,- DM. Auch dieser harte Brocken wurde gemeistert. Nach dem Auslagern 1970 lagen die Boote an der neuen Spundwand. Der Hafen war vorbildlich.
Ein weiterer Schicksalsschlag
Das Frühjahrshochwasser 1981 war wegen eines defekten Wehrkörpers recht hoch aufgelaufen. Die schließlich durch einen Deichbruch oberhalb der Werderseebrücke abfließenden Wassermassen spülten eine tiefe Rinne in die Habenhauser Marsch; und ausgerechnet bei unserem Bootshafen traf diese Rinne (rückschreitende Erosion genannt) am 19. März, nachts um 2.00 Uhr, auf die Weser. Der kleine Deich, die Spundwand, die Landzunge zwischen Weser und Hafen mit dem Regattaturm wurde weggespült. Die Weser hatte sich ein neues Bett gegraben und ständig nahm die quer zur Anlage fließende, reißende Strömung weiteren Boden mit. Durch einen zweiten Arm am Hafenkopf wurde Anfangs auch der Gebäudebestand bedroht. In unwahrscheinlichem Arbeitseinsatz der Mitglieder, deren Ehefrauen und Freunde, wurden –unterstützt durch das THW–Sandsäcke gefüllt und Steine gekarrt, um die Abspülungen einzuschränken. Aufzuhalten waren sie nicht. Erst als am 9. April der Weserdurchbruch durch einen Steindamm geschlossen war, konnte man aufatmen. Aber von dem 170m langen, eingespundeten Bootshafen war ¾ völlig weggespült.
Ein Kraftakt
Zum Auslagern war in der "Kogge" eine provisorische Anlage geschaffen, der Resthafen wurde belegt und einige Boote konnte im WVH unterkommen. Schwierige Verhandlungen führten zur Genehmigung eines neuen Hafens an der alten Stelle. Mit Unterstützung des Landessportbundes, der Sportdeputation und der Sportbehörde wurde eine tragbare Finanzierung erreicht und im Sommer wurden die ersten Spundbohlen geschlagen. Noch im Herbst begann das THW mit den Rammarbeiten für unsere neue Anlagebrücke, die in Eigenleistung entstand. Als zum Ansegeln 1982 – ein Jahr nach der Katastrophe – die neue Anlage eingeweiht werden konnte, waren 12.000 Arbeitsstunden geleistet. Aber froh und stolz waren alle.
An dieser Stelle sei noch einmal allen herzlich gedankt – Freunden, Vereinen, Behörden und Institutionen – die uns durch Spenden, Entgegenkommen oder Arbeitsleistungen geholfen haben.
Wieder war ein Tief durchstanden. Zum Verein gehörten 1985 inzwischen 393 Mitglieder mit 147 Booten.
Der Verein heute
Durch den Bau der Autobahnbrücke in Hemelingen, den Ausbau der Mittelweser und Industrieansiedlungen am Hemelinger Ufer wurde das Revier nachteilig verändert, unabhängig davon erfüllen heute zahlreiche Angebote von ehrenamtlichen Mitgliedern den Verein mit Leben. Mit den Schiffen wuchs aber auch das Interesse an der Unterweser und am "Blauwassersegeln". Seit 1973 hat der OSV in Hasenbüren zahlreiche Liegeplätze, so daß zu Pfingsten (und manchmal auch schon zu Ostern) von dort die Reise beginnt und der OSV-Stander auf den Ostfriesischen Inseln oder Helgoland zu sehen ist. Heute besteht der Verein aus 126 aktiven Mitgliedern mit 141 Segelboote und 17 Motorboote.