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Der Shantychor

Shantychor Information 2010

Der Weg zum OSV-Shanty-Chor

(Rolf Berger)

Im Spätsommer – nach der Urlaubszeit – war der große “Wandertrieb“ gestillt. Wir lagen mit ein paar Vereinskameraden in einer stillgelegten Kieskuhle an der Oberweser.

Von einem Spaziergang am Nachmittag hatten wir trockenes Holz mitgebracht und saßen jetzt an einem kleinen Lagerfeuer, gemütlich, meist mit einem Glas in der Hand.

Ein paar schüchterne Gesangsversuche schliefen bald wieder ein, denn die klaffenden Lücken in Text und Melodie nahmen uns den Mut. Es fehlte etwas!

Meine Gedanken liefen weit zurück, an einen ruhigen Abend in Borgholm am Kalmarsund. Wir lagen als einziges deutsches Boot zwischen lauter Schweden. Statt Alkohol (hatten sie ja nicht) holten unsere Nachbarn eine Gitarre heraus und sangen leise dazu, vermutlich Folklore. Bis weit in die Nacht hörten wir ihnen zu. Es war märchenhaft schön. Schade, dass wir so etwas nicht konnten!

Später -auf den Erbseninseln bei Bornholm- sagten schwedische Gäste, die wir an Bord gebeten hatten, das entscheidenden Satz: Singen kann jeder!

Natürlich war das oben beschriebene nicht das einzige Lagerfeuer. Es folgten weitere, an anderer Stelle und mit anderer Beteiligung; aber Feuer und Gesang sollte eigentlich immer sein.

Das Feuer konnten wir – je nach Sammelfleiß – ja verstärken oder “verschönern“. Beim Gesang gelang das nicht wirklich. Und auch durch verstärkten Einsatz von Bier und Köm wurde unser “Gesang“ wohl lauter, aber nicht besser.

Aufschwung gegeben hat uns sicher der Erfolg beim Wiederaufbau unseres Hafens. Nicht, dass wir den singend geschafft hätten, nein, aber gemeinsam! So reifte bei vielen von uns der Wunsch, endlich auch gemeinsam zu singen.

Wir hatten ja einen Vereinskameraden, der leitete bereits einen Chor, hatte ein Akkordeon und konnte gut singen. Rolf Barkemeyer hatte bereits viele Feste durch seine Kunst bereichert und oft auch “in Schwung“ gebracht.

Er sagte zu!! Das war anläßlich eines Heringsessens im November 1983.

Zum Ansegeln 1984 fuhr eine Gruppe in “Fischerhemden“ an Bord der “Puma“ von Gerd Schmitz singend durch den OSV-Hafen. Unter der Leitung von Rolf Barkemeyer!!

Rolf ist dann über 20 Jahre unser Chorleiter geblieben. In der Gruppe haben sich im Laufe der Zeit natürlich Wechsel vollzogen, aber einige von damals sind auch heute noch dabei.

Zusammen zu singen macht jedem in der Gruppe – oder im Chor – die Gemeinschaft spürbar, in der er steht!

Mit der Zeit formte sich langsam ein Chor. Diesen Mitgliedern war – evtl. unbewußt - eines gemeinsam: Die Sehnsucht nach einer harmonischen Gemeinschaft. Mit Rolf Barkemeyer lernten wir so langsam richtig zu singen; jeder gab sein Bestes.

Den Wunsch, die Gemeinschaft zu erleben, hat uns immer wieder unser Peter Jahnke erfüllt. Er verstand es, jedes Jahr die Wünsche und Vorschläge aus dem Chor nach einer gemeinsamen Unternehmung in die Tat umzusetzen.

Auslöser für diese “Tradition“ war sicher die durch unseren nach Neuhaus/Oste “ausgewanderten“ Kameraden und Nachbarn Heinz Lühmann vermittelte Einladung zum dortigen Feuerwehrball 1988.

Es war ein tolles Erlebnis. Bei näherem Hinsehen tauchen immer wieder neue, beachtenswerte Erinnerungen auf.

Gleich ab dem nächsten Jahr folgten dann die inzwischen zur Tradition gewordenen jährlichen “Ausfahrten“ des Chores. Schon im Bus wurde gesungen; erst recht natürlich in den “Zielkneipen“ an der Küste. Zum ersten Mal erlebten wir dabei, wie viel Freude wir durch unsere Auftritte bringen konnten.

Etwas ganz besonderes musste nach 10 Jahren her. Peter hat es verstanden auch hier ein Glanzlicht zu setzen. Die Fahrt brachte uns zum “weltweit berühmten“ Markt nach Groningen in Holland. Zur allgemeinen Überraschung und völlig ungeplant wurde unser dortiger Auftritt vom holländischen Rundfunk übertragen!! Über Greetsiel und Javentloch an’t Diek fuhren wir zurück und kamen langsam wieder “auf den Teppich“.

Jedes Jahr ging es wieder los. Immer wieder Dank Rolf und Peter.

Es würde diesen Rahmen sprengen, wollte ich alles erwähnen. Ihr wisst ja wie das ist, wenn einer ins Erzählen kommt ...!

Erwähnen muss ich aber eine Weiterentwicklung, die durch unsere gesanglichen Fortschritte möglich wurde.

Dank Rolf hatten wir inzwischen ein wunderbares Weihnachtsprogramm; meist plattdeutsche Lieder. Diese und andere durften wir in verschiedenen Heimen vortragen. Sogar in einer Palliativstation. Bewegt hat uns dabei die tiefe Dankbarkeit, die uns entgegengebracht wurde, für die Freude, die wir bringen konnten.Besonders bewegend war, wenn wir einigen Schwerstkranken vom Munde ablesen konnten, dass sie unsere Lieder mitsangen.

Wie wahr ist das Wort: Geschenkte Freude ist doppelte Freude!

Frei nach Joachim Ringelnatz können wir sagen

… und auf einmal steht es neben dir an dich angelehnt, was? das was du so langt ersehnt!

Ein Rückblick von diesem Wegepunkt aus zeigt, welch langen Weg uns Rolf Barkemeyer geführt hat. Wir haben uns im besten Sinne des Wortes “zusammengerauft“; so dass wir heute mit Überzeugung unseren Titel 57b singen dürfen:

“ Wir sind auf dem richtigen Dampfer“ …..

Für diesen Erfolg gebührt Rolf Barkemeyer ein ganz herzliches und lautes

“Dankeschön Rolf “!

Er wird es hören!

Rolf Berger

Und auf einmal stehst’e vor’m Shanty-Chor

(Uschi von Lienen)

Im Herbst 2009 – unsere ausführliche Hollandrundreise war just beendet – rief Jens vom OSV an: “Uschi, wir haben einen Anschlag auf dich vor: ich weiß, dass Du Akkordeon spielen kannst, du könntest dem OSV aus einer schwierigen Situation helfen. Unser Shanty-Chor ist Ende Oktober nach Föhr eingeladen und jetzt ist leider der Akkordeonspieler erkrankt. Könntest Du uns bitte helfen?“

Ich denke so bei mir: Seemannslieder kannst du ja, echte Shanties eher nicht, aber vielleicht hilft das ja schon über die Durststrecke hinweg. Und wenn der Chorleiter dann dirigiert, wird es schon klappen.

Seemannskisten (Notenbücher mit Seemannsliedern) und Quetschkommode eingepackt und los zum OSV -----

----- kein Dirigent da!

Der Chor hatte nämlich keinen. Na gut, dann müssen wir eben mal schauen, was beide draufhaben, der Chor einerseits und ich andererseits. Da gab es auf Anhieb einige Lieder, die sowohl in meinem Repertoire waren als auch in demjenigen des Chores. Auf dieser Basis rauften wir uns halt zusammen. Das ist jetzt ziemlich rauh ausgedrückt, es war eigentlich eher ein sehr freundliches Aufeinanderzugehen. Ich fühlte mich von Anfang an richtig gut “aufgehoben“. Und nach dem ersten Probenabend beschlossen wir, es mit zwei mal drei Liedern zu versuchen; die Föhr-Reise schien gerettet.

Nach nur zwei weiteren Proben (!!!) machten wir uns mutig auf den Weg.

Als ich den Männergesangverein Föhr-West, der den Shanty-Chor eingeladen hatte, dort hörte, blieb mir regelrecht die Spucke weg: So richtig Männergesangsverein in vier Stimmen, musikalisch ausgefeilt, mit allem Drum und dran – einfach ganz große Klasse.

Aber wir schafften es trotzdem, den Spaß, den wir am gemeinsamen Musizieren haben, “rüberzubringen“, tatkräftig unterstützt von den Groupie-Damen, die beim Lied “Keine Frau ist so schön wie die Freiheit“ kräftig die Zeile “Und kein Mann ist so schön wie sein Geld“ aus dem Zuschauerraum mitsangen, natürlich stehend – ein prima Effekt!

Es wäre doch zu schade gewesen, wenn ich diese lieben Sangesbrüder von Föhr nicht kennengelernt hätte!

Sehr tragisch allerdings, dass die Reise von Gertruds Unfall überschattet war.

Schon auf der Heimfahrt im Bus reichte mir Peter ein paar Noten rüber mit der Bemerkung: “Wir haben da so schöne plattdeutsche Weihnachtslieder“.
Ich hatte bereits Gefallen an dieser Musik und auch an der Gemeinschaft dieser singenden Wassersportler gefunden und ließ mich schon wieder breitschlagen.
Noch mal zwei Proben und die Vereins-Weihnachtsfeiern konnten vom Shantychor untermalt werden.

Ganz großes Vertrauen wurde mir entgegengebracht, als mir die Noten des vorherigen Chorleiters Rolf Barkemeyer, der zugleich das Akkordeon gespielt hatte, zur Verfügung gestellt wurden – sie sind eine wahre Fundgrube und ich werde sie hoch in Ehren halten. Jetzt kann ich die frühere Arbeitsweise des Chores rekonstruieren und durch fleißiges Üben das gemeinsame Repertoire deutlich erweitern.

Ausgerechnet dieser Winter 2009/2010 musste frostig kalt und schneereich werden; die Fahrerei zu den Proben und Adventfeiern war meist nicht erfreulich, aber ich habe inzwischen soviel Freude und Gefallen an der Arbeit mit dem Chor gefunden, dass mein Mann und ich die Fahrt von 80 Kilometern gerne in Kauf nehmen.

Und wenn unser Boot in der Saison im Wasser ist, können wir ja damit fahren, haben dann auch gleich ein Nachtquartier dicht dabei, dann müssen nur noch 80 Meter überwunden werden.
Das ist richtig vorausschauend geregelt hier im OSV: Die Chor-Aktivitäten beschränken sich auf die Zeit von September bis April/Mai, da bleibt genug Zeit für das Hobby “Boot fahren“ denn viele Bootfahrer und ehemalige sind in diesem Chor vertreten.

Zur Chormusik hatte ich zuvor eigentlich gar keinen Draht und zu Shanties nur passiv als Zuhörer. Nun sind die Mannen des OSV-Chores sehr entgegen kommend, auch wenn ich manchmal so lästige Dinge wie “Aufstehen“ oder “lauter“, “noch lauter“, “leiser“ oder “Texte lernen“ oder ähnliches der Musik zuliebe verlangen muss.
Darüber hinaus ist es ziemlich anstrengend, gleichzeitig Akkordeon zu spielen und die Einsätze zu geben und am besten auch noch den Text vorzusagen!

Unterstützung für mich gibt es von Stephan -und seit neuestem auch von Udo- an der Gitarre und Gitta mit dem Waschbrett – da kann noch ein richtiges kleines Orchester daraus werden.

Kleine Erfolge wie beim Geburtstag der Lloydpassage geben so richtig Aufschwung...

... und im Jubiläumsjahr haben wir noch einiges vor: HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH dem OSV zum 100jährigen !!!

Solange die Freude überwiegt, Zeit und Gesundheit mitmachen und vor allem, der Chor mich auch will, möchte ich gerne noch möglichst lange dabei bleiben.

... da steh ich nun vor’ m Shantychor und habe auch noch Spaß daran !

Uschi von Lienen
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